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COMPUTERMÄRCHEN ZEIGT FERNSEHEN IM THEATER
Für das Computermärchen "Wirrlimann" produzierte der Augsburger Künstler Ingo Riedl einen Videofilm
Multimediatechnik im Theaterstück "Whirrlimann" |
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Augsburger Allgemeine Zeitung, 1993
© F. Bronner, Berlin
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"Wirrlimann", die Titelrolle im gleichnamigen "Computermärchen für
Jugendliche und Erwachsene" im Stadttheater, ist ein "materialisierter" Computervirus. Der Regisseur
und Autor des Stücks Henri Hohenemser verwendete für diese Inszenierung "Multimedia-Technik":
Computer, Diaprojektionen, Monitore und ein Videofilm auf den "Brettern, die die Welt bedeuten".
In diesem Theaterstück "steigen" die Schauspieler für mehrere Minuten
von der Bühne auf die Leinwand, Film wird Bestandteil modernen Theaters.
Der Augsburger Künstler Ingo Riedl erstellte den Videoclip, der in der
sechsten Szene über einen Grossbildprojektor auf der Bühne eingespielt
wird. Er hat schon seit einigen Jahren Erfahrung in der Verwendung von Computergraphik
und Video bei Performances im OFF-Theater. "Multi-Media" ist der aktuelle
Trend in der Computerbranche, Text, Bild, Bewegtbilder und Ton werden gleichwertig
verarbeitet und dargestellt. Durch den kompletten Umbau der Bühnentechnik
waren im Stadttheater bereits hinter der Bühne Computer eingezogen, im
Wirrlimann betreten sie jetzt zum ersten Mal eine große, öffentliche
Bühne. Das herkömmliche Sprechtheater wird zum Multi-Media-Theater
und verwendet die ganze Palette moderner Hilfen zur Erzeugung visueller und
akkustischer Ereignisse.
Die vierte Dimension der Blue-Box
Bereits Wochen vor der Premiere zeichnete Riedl mit einer U-Matic-Videokamera
die Darsteller des Stücks in einer "Blue-Box" auf. Sie standen auf einem
Podest oder hingen an einem Seilzug vor einem blauen Hintergrund und von einer
Windmaschine angeblasen. Das Blau der Blue-Box-Aufnahmen wurde später
im Schnittstudio "herausgestanzt" und dafür im Hintergrund Animationen
aus dem Computer eingespielt. Durch kreisförmige, perspektivische Bewegungen
entsteht ein Strudel, der die Schauspieler von der Bühne in die "vierte
Dimension" saugt. Dort befinden sie sich im Inneren eines Computers, einem
Mikrochip, im Mikrokosmos. Andere Videoaufnahmen der Schauspieler mit S-VHS
wurden für den zweiten Teil des Clips von Riedl auf seinem Amiga-Computer
digitalisiert. Mit computergraphischen Mitteln wie Metamorphosen, Texturen,
Überlagerungen, auf Körper (Würfel) gelegte digitalisierte
Gesichter, entsteht eine "Künstliche Wirklichkeit". Ein "Computer-Menu"
wird eingeblendet und es scheint so, als könnte sich der Computer "erinnern".
Computer als Schauspieler
Weil Riedl an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert, dort die Computer des Bereichs
Mediendesign betreut, viele Erfahrungen und Kontakte hat, konnte das Video recht günstig erstellt werden.
Trotzdem überschritt der Etat für Wirrlimann das eigene Budget, und deshalb wurde die
Computerfirma NCR gewonnen, die mit DM 20.000 und Sachspenden dieses mutige Experiment unterstützte.
Die Produktion hat überregionales Interesse gefunden, Aufführungen andernorts oder ein Kurzfilm
werden überlegt. Während der Aufführungszeit sind Computergraphiken von Ingo Riedl im Foyer
des Stadttheaters ausgestellt.
Der Erfolg und die neuen Eindrücke können aber nicht die Schwächen der Inszenierung
ausgleichen: der Einsatz von Computer-Technik hinter und auf der Bühne erfordert mehr
Beschäftigung damit und ein Verständnis vom "Eigenleben" dieser elektronischen Werkzeuge.
Da entstehen Konflikte in der Produktion, Arbeitsbereiche müssen koordiniert werden,
im schwerfälligen Apparat der städtischen Bühnen wollen viele Bedürfnisse gleichzeitig
befriedigt werden. Und so passierte es, dass der Freie Künstler und die Zuschauer unbefriedigt
zurückbleiben. Leider ist nämlich die Leinwand zuweit hinten auf der tiefen Bühne gelandet
und viel zu klein. Wer die Herausforderung des Fernsehens annimmt und ideenreich karikiert, sollte auch dafür
sorgen, dass es überall im Theater zu sehen ist. Im Wirrlimann ist das ohne Fernglas aber nicht
auf allen Plätzen möglich.
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